Fliegenfischen auf Bachforelle auf den Färöer Inseln

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Artikel erschienen im Fliegenfischer Magazin "Der Fliegenfischer"

" Was mich betrifft, so finde ich an vielen Werken über das Angeln den schweren Fehler, daß sie dazu angetan sind, die Zahl der Angler noch zu vermehren, eine Zahl, die im vergleich zu den Fischbeständen unserer Gewässer schon übergroß ist", L.de Boisset


Selbst hier auf den Färöer, im Angesicht der zahllosen, fischreichen Gewässer sind mir diese Worte des großen französischen Fliegenfischers und Angelschriftstellers immer präsent. Trotzdem habe ich mich schon im letzten Jahr, nach meinem ersten Besuch auf den Inseln, entschlossen, meine Eindrücke und Erfahrungen weiterzugeben. Back for good. Zumal ich nur durch die glückliche Empfehlung eines Freundes auf diese faszinierenden Inseln aufmerksam geworden bin.
Eine alte färingische Legende besagt, daß der Schöpfer, als er die Welt erschaffen hatte, sich nach getaner Arbeit die Nägel säuberte und daß dieser als die Färöer Inseln in den Nordatlantik fiel. Und Klaus Böldl schreibt in seinem Buch "Die fernen Inseln", die Färöer vermitteln ein Gefühl der Entrücktheit, der Abgeschiedenheit. Er hat Recht; tatsächlich kann man sich nicht losreißen von der Schönheit der grünen und schiefergrauen Berge, der stürzenden Wasser, der Millionen Seevögel, wellenumtosten Klippen und horizontweit ausladenden, mit Blumen farbig bestreuten Wiesen. In unserem Unwissen über diese Inseln sind wir nicht vorbereitet auf solche kraftvolle Natur. Sie überwältigt uns. Und inmitten all dieser Wunder in greifbar räumlicher Nähe zueinander warten drei wundervolle Betätigungsfelder auf den Fliegenfischer: das kurzweilige und gesellige Fischen auf Lachs, die Fischerei auf natürliche Bachforellen Bestände an verborgenen und malerischen Bergseen und das Fischen auf schier unerschöpfliche Vorkommen an Meerforelle an den Küsten der Fjorde. Mir scheint, als würde gerade hier Demeter noch ihr Füllhorn ausschütten.

Die Seen der Färöer

Aufgrund der Tatsache, daß die Niederschläge in den Flußbetten schnell abfließen, konzentriert sich die Fischerei fast ausschließlich auf die Seen. Sie stehen nicht nur für uns als Fischwasser obenan, sondern präsentieren sich auch Biologen als hochinteressante und aufschlußreiche Studienobjekte.
Da die färingischen Gewässer die Schnittstelle zwischen der arktischen und der europäischen Schranke markieren, sollte man eine hohe Dichte und Vielfalt an unterschiedlichen Spezies und Organismen erwarten. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Diese Gewässer sind oligotroph, d.h. es sind Lebensräume mit geringem Nährstoffgehalt und wenigen Lebensformen. In der Isolation durch den Atlantik hat sich, nahezu ohne jeglichen äußeren Einfluß wie etwa natürliche Einwanderung, Einschleppung oder Besatz, ein für diese Inselwelt typisches Ökosystem entwickelt und erhalten.
So sind die färingischen Binnengewässer quasi noch "jungfräulich". Ihre Arten sind genetisch unverfälscht, von einer Reinheit, die man vergleichsweise nur noch in Gewässern wie dem Lough Mealt auf der Isle of Skye antreffen kann. Auch aus diesem Grund lassen sich auf den Färöer besonders aufschlußreiche Vergleichsstudien über die Wirkensweise der Evolution und über die klimatischen Einflüsse auf Binnenseen erstellen.
Das Klima der Färöer unterliegt der warmen nordatlantischen Strömung, mit ihren häufigen Stürmen; es ist feucht und unbeständig. Die milden Winter und kühle Sommer ergeben eine mittlere Lufttemperatur von 3 bis 10 °C.
Fast alle Seen erinnern mit den schmalen, konkav in die Tiefe abfallenden Uferzonen an ihren Gletscherursprung. Nirgendwo gibt es Einschwemmungen an Phosphor und Nitraten und so sind die Gewässer klar, sauerstoffreich und PH-neutral, bei einer Durchschnittstemperatur um 15°C. Im Gegensatz zu den Binnengewässern Islands frieren sie fast niemals zu. In den Seen auf Sandoy, aber auch im Saksunarvatn auf der Halbinsel Streymoy gedeihen herrliche Wasserpflanzen und Krautbetten und bilden ideale Unterstände für die Salmoniden. Allerdings sind die Krautzonen flächenmäßig kleiner als auf dem europäischen Kontinent.
Die Fischfauna der Färöer ist vergleichbar mit der Islands, also weniger artenreich als die der englischen Inseln und Skandinaviens. So gibt es keine Karpfenfische (Cyprinidae) und Arten wie Stinte oder Barsche. Es kommen nur Bachforellen (Formenkreis Salmo trutta), in begrenztem Umfang Wandersaiblinge (Salvelinus alpinus) und in einigen wenigen Seen auch Dreistachlige sowie Neunstachlige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus bzw Pungitius pungutius) vor. In einigen Gewässern mit Verbindung zum Meer trifft man neben Lachs (Salmo salar) und Meerforellen (Salmo t.trutta) auch Aale (Anguilla anguilla) an. In wenigen abgeschlossenen Seen (Put&Take) kommen Regenbogenforellen auch als Besatz vor.

Färinger Forellen

Bezüglich ihres Nahrungsangebotes, ihrer Größe und ihrer Fischdichte weisen die Färöer Seen große Unterschiede auf. Unzählige kleine Seen liegen auf den Bergplateaus oder in den hohen Talsohlen. Obschon auf der Landkarte kaum auszumachen, haben viele ein enormes Potential an prachtvollen Bachforellen. Sie sollen vor langer Zeit in den Niederungen gefangen und dort besetzt worden sein.
In einem der größten Seen, dem Leitisvatn auf der Insel Vagar, der bis zu 27 m tief ist, gibt es z.B. Unmengen an kleinen bis maßigen Fischen. Ein färingischer Freund meinte: "there are millions and millions of them!". Wenn das kein Anreiz ist! Es ist übrigens auch der einzige See auf den Färöer auf dem man vom Boot aus angeln darf.
Am Ende dieses Sees, in Richtung Meer, sieht man übrigens den "Traelampa"(Knechtsgipfel) aufragen, der eine schlimme Vergangenheit hat. In heidnischer Zeit zwang man hier, wie auf Island, die alten und kranken Knecht und Mägde, sich in den Tod zu stürzen, um ihr essen für die Arbeitsfähigen zu sparen ....
Im Leynarvatn, einem der wenigen Seen, in dem Dank idealer Wassertemperatur Forellen und Saiblinge in Koexistenz leben, ist die Nasenpartie der Forellen interessanterweise kurviger ausgeprägt als bei den Forellen anderer Seen. Man führt diese Besonderheit auf den interspezifischen Konkurrenzdruck zurück und geht davon aus, daß diese Forellen (wie auch die der anderen Seen) ab 40 cm Länge sich nur noch von Jungfischen ernähren. Doch wenige Fische erreichen diese Länge. Stichlinge spielen als Beute keine bedeutende Rolle. Dennoch konnten sie sich nur in verhältnismäßig wenigen Seen behaupten.
Kleinere Bachforellen ernähren sich nur z.T. von Fischchen, die meisten bevorzugen benthische, d.h. am Gewässergrund lebende Wirbellose. Zuckmückenlarven und -puppen (Chironomidae und verwandte Unterfamilien wie der Tanypodinae und Orthocladinae) sind die Hauptnahrung der färingischen Salmoniden. Als zweite bedeutende Nahrungsquelle wären Wasserflöhe (Cladocerae) zu nennen, hauptsächlich das Breitschwanzkrebschen (Eurycerus lamellatus).
Von einigen Seen weiß man, daß Fische manchmal ihre Freßgewohnheiten ändern und von benthischer Nahrung auf Kleinfische übergehen, was eine bemerkenswerte Steigerung der Wachstumsrate und eine Verlängerung ihrer Lebenszeit zur Folge hat. Generell jedoch sind der Zuwachs und die Lebenserwartung der färingischen Forellen geringer als anderswo.
Je nach See und Individuum liegt letztere bei 5 bis 9 Jahren. Dabei kann ein Fisch von 8 Jahren 45 cm oder nur 29 cm lang sein. Forellen auf den Färöer werden selten älter als 10 Jahre und länger als 45 cm. Die Laichreife erreichen Milchner mit drei, Rogner mit fünf Jahren. Wie alt mag dann wohl jener Veteran gewesen sein, der 2006 von einem färingischen Verleger in einem winzigen, aber offensichtlich nahrungsreichen See in den Bergen von Esturoy gefangen wurde? Der Fisch maß 75 cm und wog 4,125 kg.

Ausrüstung

Wer über GPS verfügt, wird es auf den Färöer zu schätzen lernen. Die Wetterumstürze sind legendär und deren Folgen gerade für Touristen erschreckend. Morgens genießt man noch sonniges Wetter, kurze Zeit später findet man sich plötzlich von Nebel eingeschlossen. Nicht nur Ortsunkundige sind bisweilen überrascht, welch steile Abhänge sich plötzlich vor ihnen auftun. Seien Sie immer darauf vorbereitet!
Wer es sich leisten möchte, kann über Atlantik Airways einen Helikopter mieten. Alle potentiellen Gewässer können damit zwar ziemlich unsportlich; aber bequem binnen Minuten erreicht werden.
Ich bin ein Liebhaber der Winston IM6 und genieße jeden Wurf mit diesen Ruten. Schnurklasse 6 oder 5 mit einer WF,floating Schnur ist die beste Wahl.
Die Rute sollte möglichst lang sein und auch die Vorfächer mindestens doppelte Rutenlänge haben.
In puncto Fliegen kann ich kein bestimmtes Muster als ideal bezeichnen. Ob Naßfliegen wie Peter Ross, Connemara Black, Alexandra oder Bibio, ob Nymphen oder Trockenfliegen - färingische Forellen sind nicht wählerisch. Zu bestimmten Zeiten konnte ich pro Wurf einen Kontakt verzeichnen und dann plötzlich wieder unerklärliches Zögern. Wohl empfehlen sich bei Sonne eher helle Fliegenmuster, bei entsprechendem Nahrungsangebot auch eine March Brown. Alle Größen von 8 bis 14 sind gut und gerne auszutesten. Aber es nicht letztendlich auch eine Frage des richtigen Zeitpunktes und der korrekten Präsentation, wieviel Erfolg wir haben?

Mein Dank geht an den begnadeten Fliegenfischer Jens Christian Carlsson für die wunderbaren Stunden am Wasser und an Eydfinn Magnusson, Fischerbiologe der Universität Torshavn, für die Zusammenstellung der neuesten Untersuchungen und Erkenntnisse zu den Färöer Seen.